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Fossilien im Volksglauben – eine Unheil abwehrende Ausstellung

Nachtmahr nach Füssli

Von 08.04.2017 - 18.02.2018

Vor noch nicht allzu langer Zeit mussten auch in Europa die meisten Menschen ohne medizinische und psychologische Betreuung auskommen. In dieser Welt ohne elektronische Medien wie Internet und Fernsehen wandten sie die Mittel an, die verfügbar und bezahlbar waren. Dazu kam noch eine aus heutiger Sicht sehr ursprüngliche Weltanschauung, in der Geister und Zauberei das Sagen hatten. Hinter jedem Ungemach vermutete man Druden, Alben und Flüche.

Figurensteine

Durchscheinendes Verschreiherz

Neben allerlei Hausmitteln aus dem Tier- und Pflanzenreich kamen auch anorganische Objekte zum Einsatz, von denen die Versteinerungen am auffälligsten waren. In diesen dunklen Zeiten war man sich nicht bewusst, was Versteinerungen wirklich sind. Man nannte sie Figurensteine oder Spiele der Natur. Wegen der Ähnlichkeit mit bestimmten heute noch vorkommenden Organismen hat man sie für Abwehrzauber, Analogiezauber und auch direkt als Medizin eingesetzt. Der fünfzackige, unheilabwehrende Drudenfuß z. B. ist in der Fünfstrahligkeit der Seeigel wiederzufinden.

Das Einhorn

Die kleineren Versteinerungen, wie Korallen, Seeigel, Muscheln, Schnecken etc. waren generell im Volk weit verbreitet und für den täglichen Gebrauch verfügbar. Die großen Fossilien dagegen, wie Mammutknochen und –zähne, Wollnashorn- und Höhlenbärenreste wurden Riesen, Drachen und dem Einhorn zugeordnet und waren vor allem in Apotheken zu einem hohen Preis zu bekommen. Gerade das Einhorn war bis Ende des 18. Jahrhunderts als Allheilmittel heiß begehrt. Wobei man als“ Einhorn“ alle Knochen ausgestorbener Eiszeittiere ansah.

Die Ausstellung „Fossilien im Volksglauben“ im Naturkundemuseum Siegsdorf zeigt einen illustren Querschnitt durch die Welt der als „wundertätig“ angesehenen Versteinerungen.

Das Quedlinburger Einhorn auf seinem Weg ins Naturkundemuseum Siegsdorf


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